Das Matterhorn übte schon immer eine große Anziehungskraft und Faszination auf jeden für Großartigkeit und Schönheit empfänglichen Menschen aus. Auch auf mich. Die Gelegenheit war günstig: Auf Einladung zu einem Workshop der Canon-Academy habe ich hier zwei Tage verbracht. Schön ist es, sehr imposant - die Berge als auch die Infrastruktur sind einfach überwältigend. Ebenso die Menschenmassen. Alles ist für einen Massenandrang von Touristen ausgelegt und es ist kein Ende vom Bauen von Hotels, Appartements, Tunneln und anderem etwaigen Schnickschnack in Sicht, welches noch mehr Touristen - vor allem Reiche - in die Matterhorn-Region lockt. Als ich den Grenz- und den Gornergletscher unterhalb des Monte Rosa Massivs gesehen habe, fragte ich mich aber, wie lange dieser Zustrom noch andauert. Die Gletscher gehen massiv zurück, alles ist karg, grau, nur ein paar Flechten und Moose finden langsam ihren Platz auf dem freigelegten Geröll. Unterhalb der Vegetationsgrenze sieht es natürlich anders aus. Für mich viel reizvoller als ganz oben auf den Bergen.
Ein aktueller Artikel der Neuen Zürcher Zeitung beschreibt die Situation der Tourismus-Drehscheibe von Täsch, Zermatt über die Monte-Rosa-Hütte bis hin zur Dufourspitze und dem Klein Matterhorn am Besten. Viel wurde und wird noch immer investiert, um Touristen aus aller Welt anzulocken.
Nur ganz früh am Morgen beim Beschreiten der schmalsten Wege und spät am Abend ist man halbwegs alleine und kann das Gefühl von Demut und Respekt gegenüber dieser majestätischen Landschaft genießen. Auch schöne Bildkompositionen sind dann möglich, ohne dass jemand ins Bild läuft. Denn damit ist man tagsüber beschäftigt: Warten, Ausweichen, Hinterherlaufen. Viele sieht man mehrfach wieder "...aaah, Sie schon wieder. Na, wie geht's?...".
Am schönsten war es für mich am Sonntagabend auf dem Gornergrat. Um 19 Uhr war keine Menschenseele mehr hier oben. Nur ich, die Berge und zwei Vögel. Die Alpendohlen ließen sich von mir mit Wallnüssen füttern und haben sich mit mir angefreundet. Hand hoch, Nuss gezeigt und sie sind gekommen. Nach einem wolkenlosen, sonnigen Tag haben wir gemeinsam den Sonnenuntergang genossen. Kaum war der letzte Sonnenstrahl verschwunden, verschwanden meine gefiederten Freunde. Es wurde richtig kalt.
Monte Rosa Westseite mit Grenzgletscher, Nordend und Dufourspitze
Monte Rosa Massiv Westseite mit Gornergletscher (links) und Grenzgletscher - nicht mehr verbunden, Nordend und Dufourspitze sowie Flanke des Liskamm Nordwand
Matterhorn Ostwand, auf der rechten Seite der Hörnligrat - bei Sonnenuntergang
Matterhorn Ostwand, auf der rechten Seite der Hörnligrat - bei Sonnenuntergang
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